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Auszug aus dem Buch "Heuchelei" von Axel Weber
Mir scheint, eine der Hauptwaffen des Teufels gegen die Gemeinde ist eine falsche Liebe. Im Römerbrief 12 Vers 9 steht
Die Liebe sei ungeheuchelt! Verabscheut das Böse, haltet fest am Guten!
In der Übersetzung -Hoffnung für Alle- steht: Eure Liebe muss aufrichtig sein.
Die Liebe Gottes ist eine Liebe, die gekoppelt ist mit Wahrheit. Die Liebe, zu der wir als Glaubensgeschwister aufgerufen werden, ist eine Liebe zur Wahrheit. Die Liebe, die die Bibel meint, ist ungeheuchelt, sie ist aufrichtig.
Eine Liebe, die Wahrheit ausklammert, eine heuchlerische Liebe ist teuflisch! Eine Liebe, die die Wahrheit nicht meint, sie verschleiert, ist teuflisch!
Wie viel Sünde dulden wir in unseren Gemeinden unter dem Deckmantel der falschen Liebe. Wir tolerieren sexuellen und geistlichen Missbrauch, Unreinheit, böse Charaktereigenschaften, rebellische Kinder, Stolz und Hochmut, Ehebruch und Zauberei mit dem Argument der Liebe. Wie verdreht ist unser Empfinden über Liebe. Jesus trieb die Händler und Wechsler zum Tempel hinaus, indem er ihre Tische und Stühle umstieß (Markus 11.15). Nach unserem Verständnis eine lieblose Aktion.
Johannes und auch Jesus bezeichneten die Pharisäer und Schriftgelehrten in der Öffentlichkeit als Otternbrut und Schlangen (Matthäus 3.7; 12.34; 23.33). Jesus bezichtigte die angesehenen und hochgebildeten Juden der Heuchelei, während Hunderte es hörten. Da Jesus ohne Sünde war, kann es offensichtlich nicht lieblos gewesen sein. So merken wir, wie unser Verständnis von Liebe von dem der Heiligen Schrift abgewichen ist.
Es gibt so viele Situationen im Wort Gottes, die nicht unserem derzeitigen Verständnis von Liebe entsprechen. Als Jesus ankündigte, er werde den Hohenpriestern ausgeliefert und getötet werden geschah folgendes:
Und Petrus nahm ihn beiseite und fing an ihn zu tadeln, indem er sagte: Gott behüte dich, Herr! Dies wird dir keinesfalls widerfahren. Matthäus 16.22
Nachdem, was die Jünger mit Jesus erlebt hatten, ist das eine absolut menschliche Reaktion. Sie waren Zeuge, wie Jesus kurz zuvor viertausend Menschen bewirtete. Jesus ging auf dem Wasser, heilte die Tochter der kanaanäischen Frau, speiste Fünftausend, heilte Krüppel, Stumme, Taube usw.
Dem Anschein nach meinte Petrus es doch nur gut mit Jesus. Aus Liebe wollte er nicht, dass Jesus getötet wurde. Dieser Gedanke muss ihm furchtbar erschienen sein.
Auf diese scheinbare Liebesbekundung und gutgemeinte Besorgnis von Petrus sagte Jesus:
Geh hinter mich, Satan! Du bist mir ein Ärgernis, denn du sinnst nicht auf das, was Gottes, sondern auf das, was der Menschen ist.
Ist das nicht extrem? Ist es nicht lieblos, Petrus mit Satan anzusprechen? Wie würden wir reagieren, unser Pastor oder ein Ältester sagt zu uns: Geh hinter mich, Satan? Wie kann Jesus Petrus vor den anderen Jüngern so bloß stellen? Es ist ganz einfach. Jesus war erfüllt mit der Liebe Gottes. Deshalb war er absolut eins mit den Plänen seines himmlischen Vaters. Er wusste, mit seinem Tod am Kreuz erfüllte er die Absichten Gottes zur Erlösung der Menschen.
Petrus war von einer menschlichen, heuchlerischen Liebe getrieben und sprach sich letztendlich gegen den heiligen Plan Gottes aus. Jesus nannte die Herkunft der Äußerungen des Petrus sofort beim Namen: Satan!
So erkennen wir, die klare Reaktion Jesu war gekennzeichnet von göttlicher Liebe. Heuchlerische Liebe kommt genau wie bei Petrus häufig in einem frommen Gewand daher -Gott behüte dich, Herr!- Klingt doch gut, oder?
Der Schaden wäre nicht zu beschreiben, hätte Jesus nach der Maßregelung von Petrus gehandelt!
Als der verzweifelte Vater seinen dämonisierten Sohn zu Jesus brachte und ihm berichtete, dass die Jünger den Geist nicht austreiben konnten, sagte Jesus:
O ungläubiges Geschlecht! Bis wann soll ich bei euch sein? Bis wann soll ich euch ertragen? Bringt ihn zu mir! Markus 9.19
Jesus kam gerade vom Berg der Verklärung und wurde Zeuge, wie eine große Volksmenge und auch Schriftgelehrte heftig mit den anderen Jüngern stritten (Vers 14). Als er den Grund ihrer Auseinandersetzung erfuhr, weist er seine Jünger inmitten der Menschenmenge auf diese Art zurecht. Auch hier können wir sehen, unser Verständnis von Liebe braucht Korrektur und Reinigung.
Nach unserer Ansicht wäre es doch angebracht gewesen, Jesus hätte das später im kleinen vertrauten Kreis mit den Jüngern persönlich besprochen. In etwa so: Wisst ihr, vorhin, als ihr mit dem Dämon nicht so richtig klar gekommen seid, vielleicht solltet ihr überdenken, ob das mit dem Dämonenaustreiben wirklich euer Dienst ist. Oder: Das nächste mal solltet ihr es mit ein bisschen mehr Glauben versuchen.
Das mindeste, was wir einfordern würden, wäre, nicht so vor den Volksmengen und Schriftgelehrten ermahnt zu werden.
Jesus war erfüllt mit der Liebe des Vaters und nannte die Dinge beim Namen! Er nannte Unglauben - Unglauben!
Wenn wir in unseren Gemeinden endlich die Dinge beim Namen nennen würden! Wie viel Schmutz und Unrat würden hinausgekehrt. Wie viel Reinheit und echte Liebe könnte unter uns zunehmen.
Ein anderes Beispiel gibt uns Jesus durch sein Gespräch mit dem reichen jungen Mann (Markus 10.17-22). Der wollte ernsthaft von ihm wissen, wie er ewiges Leben bekommt. Nachdem ihn Jesus auf die Gebote hinwies, versicherte er, alles gehalten zu haben von seiner Jugend an. Ich bin sicher, er sagte die volle Wahrheit. Deshalb lesen wir, dass Jesus ihn ansah und liebgewann. Nun können wir davon ausgehen, dass nur wenige Menschen von sich sagen konnten, alle Gebote gehalten zu haben.
Jesus, weil er ihn liebgewann, nannte ihm seinen Mangel. Er sollte alles verkaufen, was er besaß und von dem Gewinn die Armen unterstützen. Das war für den reichen Mann eine entsetzliche Antwort.
Nach unserem falschen Liebesverständnis hätte sich Jesus doch lobend über seinen vorbildlichen Lebenswandel ausdrücken müssen. Ist es da nicht zuviel verlangt, auch noch seinen Besitz zu verschenken? Schließlich hätte Jesus doch wissen müssen, dass der reiche Mann darüber bestürzt sein würde. Wir sollen doch liebevoll miteinander umgehen. Mit seiner Antwort hat Jesus ihn nur traurig gemacht und wir sollen uns doch immer gegenseitig ermutigen.
Nach diesem Gespräch schaut Jesus umher und lehrt alle Dabeistehenden weiter über dieses Thema. Wie konnte Jesus so indiskret sein? Er war erfüllt mit der göttlichen Liebe zur Wahrheit, die zum Heil führt! Er sagte aus Liebe die Wahrheit, die dem reichen Mann die Möglichkeit gab, sich für das ewige Leben zu qualifizieren.
Ein Bruder, den ich sehr schätze, sagte einmal: Wir Christen leben untereinander ein „Fan-Tum”, keine aufrichtigen tragfähigen Beziehungen. Ein Fan wird niemals die negativen Dinge beim Namen nennen aus Furcht, die Beziehung könnte daran zerbrechen. So unterlässt er es, für seinen Mitbruder oder die Mitschwester Verantwortung zu übernehmen. In einer aufrichtigen Beziehung nennt man die Dinge beim Namen. Aus echter Liebe heraus schauen wir nicht tatenlos zu, wie unser Mitbruder einen falschen Weg geht. Wenn unsere Beziehungen von Aufrichtigkeit und von der ungeheuchelten Liebe geprägt sind, beschützen wir uns gegenseitig vor Verführung. Die Heilige Schrift warnt uns mehrfach vor Verführung. Viele Gläubige werden abfallen und verführt.
Der Geist aber sagt ausdrücklich, dass in späteren Zeiten manche vom Glauben abfallen werden, indem sie auf betrügerische Lehren von Dämonen achten,... 1.Timotheus 4.1
Ein enorm wichtiger Bestandteil unseres Schutzes vor Verführung sind aufrichtige Beziehungen! Leider sind wir im Leib Christi davon noch weit entfernt.
Denke darüber nach, wie du über die eben beschriebenen Reaktionen Jesu empfindest. Erscheinen sie dir zu hart? Empfindest du sie als lieblos?
Der erste Schritt in Richtung Aufrichtigkeit ist, ehrlich zu sich selbst zu sein. Manche Menschen leben in so einem verlogenen heuchlerischen Gedankengebäude, dass sie die Wahrheit über sich selbst nicht mehr erkennen können.
Wir brauchen den Heiligen Geist, der uns dort hineinleitet.
Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten;... Johannes 16.13
Wenn du einen Mangel an echter Liebe Gottes, an Aufrichtigkeit, spürst, bitte den Heiligen Geist, dir zu helfen und dich in die Wahrheit über dich selbst zu führen. Er wird es tun! Vielleicht bist du erschüttert, was der Heilige Geist dann ans Licht bringt, aber besser jetzt, als wenn Jesus wiedergekommen ist und ohnehin alles offenbar wird.
Denn wir müssen alle vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, damit jeder empfange, was er durch den Leib vollbracht, dementsprechend, was er getan hat, es sei Gutes oder Böses. 2.Korinther 5.10
Der Heilige Geist wird diesen Prozess bei allen seinen Gläubigen einleiten und durchführen, denn Jesus kommt zu einer makellosen Braut, ohne Flecken und Runzel, zurück.
Ich bete dafür, dass das Bollwerk der falschen Liebe in der Gemeinde niedergerissen und zerstört wird. Hinter dieser Wand der geheuchelten Liebe kann Unzucht, Egoismus, Selbstsucht, Ehrsucht oder in einem Wort: Sünde, wuchern.
Eine Teilnehmerin unserer Glaubensschule schilderte mir einmal folgende Situation. In einem Gebetskreis der Gemeinde, zu der sie gehört, hat ein Bruder immer wieder das Bedürfnis, über bestimmten anwesenden Frauen Prophetien auszusprechen und ihnen dabei die Hände aufzulegen. Die betroffenen Frauen empfinden dabei, dass eine sehr starke Unreinheit von diesem Mann ausgeht und das seine Prophetien auch nicht vom Herrn kommen. Ihre Frage war, ob sie vor seinen Worten und dem unreinen Geist geschützt ist, wenn sie sich vor so einer Versammlung unter das Blut Jesu stellt.
Ich war erschüttert. Hier haben wir einen Gebetskreis, die Geschwister treffen sich, um gemeinsam vor das Angesicht Gottes zu kommen, ein Bruder weissagt im Namen Jesu und eine Schwester betet zu Hause um Schutz davor. Ist das nicht katastrophal?
Seit Jahren wagt es niemand in diesem Gebetskreis, diesen Bruder zurechtzuweisen. Die Leitung dieser Gemeinde kennt dieses Problem seit langer Zeit und tut nichts. Man will nicht lieblos sein. Man fürchtet sich davor, der Bruder könnte beleidigt die Gemeinde verlassen. Da er mit mehreren Familien verwandt ist, könnten vielleicht weitere Ehepaare die Gemeinde verlassen.
Alles geschieht unter dem Deckmantel der Liebe. Die Schwester hat schon mehrmals ihre Leitung um Hilfe gebeten, aber niemand hielt es für notwendig einzugreifen. Diese falsche Liebe ist ein optimaler Nährboden für Missbrauch geistlicher Gaben, für Unordnung in der Gemeinde.
In Wahrheit zeigt sich hier ein erhebliches Maß an Lieblosigkeit der anderen Geschwister, die seit Jahren Zeuge dieser charismatischen Wahrsagerei sind und die betroffenen Frauen damit allein lassen. Ich fürchte, solche Geschehnisse sind keine Seltenheit im Leib Christi.
Ich fordere dich heraus, damit zu beginnen, die Dinge beim Namen zu nennen. Fange an, der falschen Liebe den Boden zu entziehen. Baue an aufrichtigen Beziehungen! Eine Beziehung, die ein offenes Gespräch, eine Ermahnung oder Zurechtweisung in der Liebe Gottes nicht aushält, ist schädlich für dich!
Wer einen Menschen zurechtweist, findet letztlich mehr Gunst als einer, der mit der Zunge schmeichelt. Sprüche 28.23
Jesus sucht Nachfolger, keine Fans. Während seines Dienstes gab es Zeiten, da folgten ihm Tausende nach. Als er vor dem Hohen Rat stand und sein Todesurteil empfing, war von ihnen keiner mehr da. Er richtete sein Leben und seinen Dienst nicht danach ein, das möglichst viele hinter ihm herliefen. Er tat, erfüllt von der Liebe Gottes, den Willen des Vaters.
Seit 1996 unsere Gemeinde entstanden ist, habe ich manchmal den Vorwurf gehört, bei euch ist keine Liebe. In den ersten Jahren haben wir Älteste uns solche Vorwürfe immer sehr zu Herzen genommen. Wir waren manchmal über den angeblichen Umstand, dass wir keine Liebe hätten, sehr entmutigt. So beteten wir oft, Gott möge uns doch Liebe schenken. Dann würde auch niemand mehr die Gemeinde wegen diesem angeblichem Liebesmangel verlassen müssen.
Wir haben viel darüber gesprochen, immer wenn jemand gekränkt gegangen war, brach dieses Thema neu unter uns auf. Inzwischen hat der Heilige Geist uns mehr Klarheit geschenkt. Ich möchte nicht behaupten, das wir das vollkommene Maß der Liebe Gottes haben. Aber ich durfte eine interessante Feststellung machen.
Der Vorwurf, wir hätten keine Liebe, wurde ausschließlich von religiösen Menschen ausgesprochen, die aus anderen Gemeinden zu uns kamen. In Wahrheit hat sie nicht der Liebesmangel bewegt, unsere Gemeinde zu verlassen, sondern die durch Aufrichtigkeit entstandene Konfrontation mit Sünde und Mangel in ihrem Leben. Sie fühlten sich entlarvt und persönlich angegriffen. Der Vorwurf, um mich kümmert sich ja niemand, kam von Menschen, um die sich am intensivsten bemüht wurde. Sie kamen zu uns mit der Annahme, ihren heuchlerischen Lebensstil weiterleben zu können. Das kann man nicht lange in Gemeinschaft mit Leuten, die ihr Leben radikal hingegeben haben und einen liebevollen (im Sinne der Liebe Gottes) Umgang miteinander anstreben.
Im Gegensatz zu dem Argument der religiösen Menschen erzählten uns Geschwister, die aus der Welt kamen und gläubig wurden, sie haben bei uns eine Liebe untereinander erlebt, die sie zuvor in ihrem ganzen Leben als Ungläubige nicht kannten. Das hätte sie bewogen, zu uns zu kommen und uns besser kennen zu lernen.
So bin ich heute nicht mehr darüber beunruhigt, wenn besonders „fromme” Menschen von Lieblosigkeit sprechen.
Wenn du einen radikalen, aufrichtigen, geradlinigen Lebensstil anstrebst, sei nicht entmutigt, wenn du den Vorwurf der mangelnden Liebe hörst.
Liebe Gemeindeleiter, liebe Pastoren, liebe Älteste, wenn plötzlich Menschen aufstehen und allen anderen mangelnde Liebe vorwerfen, sei ermutigt. Das ist ein sicheres Indiz dafür, das die Liebe Gottes Einzug hält. Das teuflische Liebesimitat muss der wunderbaren Liebe Gottes weichen.
Wir Älteste haben harte Zeiten der Entmutigung durchlebt, bis wir erkannten, wenn Menschen nicht bereit sind, aufrichtig nachzufolgen, dann können wir nicht Seite an Seite gehen. Wir haben die heilige Pflicht, zuerst in unserem eigenen Leben und dann in der Gemeinde jeglicher Heuchelei zu widerstehen. Wenn du das tust, wird dir die Religiosität Lieblosigkeit bescheinigen.
Religiosität kann ohne Heuchelei nicht bestehen. Sie braucht sie als eine Plattform, auf der sie die Kinder Gottes in einen frommen Betrieb hineinzieht, aus dem sich der Heilige Geist zurückzieht. Sei ermutigt, Mangel auch Mangel zu nennen, Sünde auch Sünde zu nennen.
Denn es müssen auch Parteiungen unter euch sein, damit die Bewährten unter euch offenbar werden. 1.Korinther 11.19
Fürchte dich nicht vor Parteiungen! Der Prozess der Reinigung, den Jesus mit seiner Gemeinde begonnen hat, kann nicht ohne Parteiungen ablaufen. Nach der landläufigen Meinung darf so etwas in einer Gemeinde nicht vorkommen. Im Allgemeinen fürchten wir uns vor Spaltungen und betrachten sie als etwas absolut negatives. Aber Paulus betont, Parteiungen müssen sein, damit die Wahrheit offenbar wird. Die Bewährten sollen von den Heuchlern unterschieden werden.
Wenn wir Leiter ein Vorbild an Aufrichtigkeit geben, wird sie auch in der Gemeinde wachsen. Es ist nichts unnormales, wenn einige Geschwister diesen Weg nicht mitgehen werden. Viele Tausende sind den Weg Jesu bis nach Golgatha auch nicht mitgegangen.
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